Optimismus für die Energiewende

 

Im Kampf gegen den Klimawandel keine Zeit verlieren

Interview mit Volker Malmen, Juli 2020

Optimismus für die Energiewende: Kann die Energieweende gelingen?  Interview mit Volker Malmen
Volker Malmen, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland
Ørsted wurde zu Beginn des Jahres von Corporate Knights zum nachhaltigsten Unternehmen der Welt ausgezeichnet. Inwieweit kam das für Sie überraschend?

Wir haben uns natürlich sehr über diese Auszeichnung gefreut. Und sicherlich waren wir auch etwas überrascht, dass es in diesem Fall sogar der erste Platz geworden ist. Für uns ist das eine Bestätigung unserer erfolgreichen Arbeit bei der Transformation unseres Unternehmens. Vor mehr als 10 Jahren haben wir uns dazu entschlossen, konsequent auf Erneuerbare, vor allem auf Offshore-Windenergie, umzustellen. Das hieß, raus aus Öl und Gas und raus aus der Kohle. Das hatte natürlich große Auswirkungen auf unsere CO2-Bilanz und unser starkes Wachstum, basierend auf grüner Energie. Die Auszeichnung von Corporate Knights ist eine tolle Motivation dafür, unseren Weg genauso konsequent weiterzugehen. Wir haben ja noch einige Ziele vor uns, allen voran den Plan, bis 2025 bei unserer Energieproduktion und beim Betrieb unserer Anlagen CO2-neutral zu sein. Wir wollen zudem unsere Position als Weltmarktführer im Bereich Offshore-Wind halten und im Jahr 2030 grünen Strom für umgerechnet 50 Mio. Menschen produzieren.


Die Bundesregierung hat sich kürzlich dazu entschieden, dass Offshore-Wind eine größere Rolle bei der Energiewende spielen soll und will die Ausbauziele  erhöhen. Das muss bei Ihnen, als Vertreter der Branche, doch auf große Zustimmung treffen?


Wir haben uns lange dafür eingesetzt, dass das Ausbauziel angehoben wird. Die Offshore-Windkraft ist eine nachhaltige und sichere Energiequelle. Darüber hinaus sehen wir eine stetige Entwicklung bei der Wettbewerbsfähigkeit. Sie ist kostengünstig und bietet die Möglichkeit großvolumiger Produktion von Strom. Im Grunde eine kraftwerksgroße Alternative zu den Fossilen und der Atomkraft. Die braucht es, wenn Deutschland die Klimaziele der Bundesregierung erreichen will. Das hat auch die Politik erkannt. Die Erhöhung des Ausbaus auf 20 Gigawatt bis 2030 und die Festlegung von 40 Gigawatt bis 2040 geben der Industrie  die notwendige Planungssicherheit auf dem deutschen Markt.
Was wir allerdings wenig nachvollziehen können, ist, dass Deutschland mit dem derzeitigen Entwurf des Windenergie-auf-See-Gesetzes einen Sonderweg einschlagen will.  Denn entgegen dem europäischen Trend, das Differenzvertragssystem einzuführen, sieht der Gesetzesentwurf ein neues Ausschreibungskriterium vor, das fatale Auswirkungen haben wird.  Ein deutscher Sonderweg im Vergleich zu unseren Nachbarn würde die geplante europäische Integration unnötig erschweren und die Stromgestehungskosten letztendlich steigen lassen. Wir sehen dadurch Investitionsrisiken für Deutschland.


Die deutsche Bundesregierung hat vor kurzem die nationale Wasserstoffstrategie vorgestellt. Wie beurteilen Sie die Ambitionen Deutschlands zu diesem Thema?

Wir stimmen mit der Einschätzung der Bundesregierung überein, das Wasserstoff ein riesiges Potential für die Dekarbonisierung vieler Bereiche der Wirtschaft, Logistik und Verkehr bietet. Darüber hinaus könnte eine Technologieführerschaft im Bereich Wasserstoff für Deutschland als Industriestandort enorme Vorteile bringen. Dafür braucht es aber regulatorische Veränderungen und Maßnahmen, um Wasserstoff zur Marktreife zu verhelfen, denn grüner Wasserstoff ist als Alternative derzeit nicht wettbewerbsfähig. Das findet in der Strategie durchaus die nötige Beachtung.
Die Bundesregierung ist sich bewusst, dass nur Wasserstoff, der mittels Erneuerbaren hergestellt wird, nachhaltig ist. Trotzdem sieht die Strategie auch Investitionen in blauen Wasserstoff vor. Das sehen wir kritisch. Aus Erdgas hergestellter blauer Wasserstoff ist letztendlich nicht CO2-neutral. Der Fokus sollte klar auf der Förderung von grünem Wasserstoff liegen. Das heißt natürlich auch, dass die Produktion des dafür benötigte Strom aus Erneuerbaren ausgebaut wird. Ich verrate nicht Neues, wenn ich sage, dass wir Offshore-Wind hierfür als besonders geeignet sehen.


Der Klimawandel ist seit der Corona-Pandemie als Thema in den Hintergrund gerückt. Sehe Sie die Gefahr, dass die Energiewende an Nachdruck verliert und wir wertvolle Zeit im Kampf um das Klima verlieren?

Es ist natürlich nachzuvollziehen, dass immer noch ein großer Teil unserer gesellschaftlichen Aufmerksamkeit auf der Corona-Pandemie liegt. Diese ist so unvorhersehbar über uns hineingebrochen, betrifft unsere Familien, Freunde und fast alle Bereiche unseres persönlichen und beruflichen Lebens sehr direkt. Aber einen unmittelbaren Einfluss auf unser Leben wird auch der Klimawandel haben und hat er in Teilen bereits. Während wir diese Pandemie hoffentlich in einem überschaubaren Zeitraum besiegt haben werden, bleibt das Problem des Klimawandel weiterhin bestehen. Und das Problem wird größer werden. Deshalb ist die Energiewende ein so entscheidendes Projekt. Wir müssen jetzt handeln und nicht warten, bis es zu spät ist bzw. die Veränderung des Klimas nicht mehr aufzuhalten ist. Ich blicke aber positiv in die Zukunft, weil ich weiß, dass wir die Technologien in den Händen halten, um etwas gegen den menschengemachten Klimawandel zu unternehmen. Allen voran die Umstellung des Energiesystems auf erneuerbare Energien.

Wir haben für diese Haltung einen eigenen Begriff kreiert: ‚Øptimismus‘. Wenn wir entschlossen handeln, und dabei optimistisch nach vorne schauen – dann können wir die Energiewende gemeinsam schaffen.
 
Mehr zum Øptimismus unter orsted.de/optimismus