Offshore-Windenergie in Deutschland: Wahrnehmung und Wirklichkeit

Eine repräsentative Studie zeigt, was Menschen in Deutschland über erneuerbare Energien wissen – und was nicht.

66 Prozent der Deutschen glauben, dass Deutschland nicht über ausreichende heimische Energieressourcen verfügt, um den eigenen Bedarf an Strom, Kraftstoffen, Heizenergie und industrieller Energie zu decken. Damit liegen sie grundsätzlich richtig. Doch wie gut ist das Wissen über die Energieversorgung tatsächlich? Eine repräsentative Studie mit mehr als 6.000 Teilnehmer*innen aus Dänemark, Großbritannien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden und Polen im Auftrag von Ørsted ging dieser Frage nach. Untersucht wurden Wissen, Wahrnehmung und verbreitete Fehleinschätzungen rund um erneuerbare Energien – mit besonderem Blick auf die Offshore-Windenergie.

Sind wir in Deutschland unabhängig von Energieimporten?


Die kurze Antwort lautet: nein. Laut Eurostat lag der Anteil der Nettoimporte am deutschen Energieverbrauch im Jahr 2024 bei rund 67 Prozent. Zum Vergleich: Für die EU insgesamt betrugen sie 57 Prozent. 

Die Studie zeigt hier eine deutliche Diskrepanz zwischen Realität und öffentlicher Wahrnehmung. Auf die Frage, wie hoch der Anteil importierter Energie in Deutschland ist, schätzen mehr als vier von fünf Befragten (82 Prozent) die Lage falsch ein und unterschätzen die Abhängigkeit von Energieimporten deutlich.

Wie viel Prozent der gesamten Energieversorgung Ihres Landes stammen Ihrer Einschätzung nach aus Importen aus anderen Ländern?

Wie viel Prozent der gesamten Energieversorgung Ihres Landes stammen Ihrer Einschätzung nach aus Importen aus anderen Ländern?
Dennoch ist vielen Menschen die Bedeutung der Erneuerbaren für die Energieversorgung bewusst. 82 Prozent der Befragten halten den Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen in Deutschland für eher wichtig oder sehr wichtig.

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien für Ihr Land?

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach der Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien für Ihr Land?

Wie wettbewerbsfähig ist Offshore-Windenergie?


Auch beim Thema Kosten zeigt die Studie deutliche Fehleinschätzungen. Die Befragten sollten verschiedene Energiequellen – Gas, Atomenergie, Offshore-Windenergie, Solarenergie und Onshore-Windenergie – danach anordnen, welche in ihrem Land bei Errichtung und Stromerzeugung am kostengünstigsten ist. 

46 Prozent nennen Solarenergie als günstigste Energiequelle. 18 Prozent setzen Atomenergie auf Platz eins, 10 Prozent Onshore-Windenergie und 8 Prozent Gas. Nur 7 Prozent der Befragten halten Offshore-Windenergie für die kostengünstigste Option. 

In der Praxis ergibt sich bei den Kosten ein etwas anderes Bild. Die korrekte Reihenfolge lautet: Solarenergie, Onshore-Windenergie, Offshore-Windenergie, Gas und Atomenergie. Offshore-Windenergie gehört damit entgegen der öffentlichen Wahrnehmung zu den günstigeren Formen der Stromerzeugung und liegt vor fossilen Energieträgern sowie der Kernkraft, die entgegen der Realität in der aktuellen Debatte oft als kostengünstige Möglichkeit der Energieversorgung ins Feld geführt wird.

Offshore-Windenergie wird häufig noch unterschätzt


Die Ergebnisse der Studie zeigen ein wiederkehrendes Muster: Viele Menschen in Deutschland schätzen zentrale Eigenschaften moderner Offshore-Windparks deutlich anders ein, als sie tatsächlich sind. Besonders groß ist die Diskrepanz bei der Frage, wie zuverlässig Offshore-Windparks Strom erzeugen.1 Nur 13 Prozent der Befragten bewegen sich mit ihrer Einschätzung im richtigen Bereich zwischen 81 und 100 Prozent. Tatsächlich produzieren Offshore-Windparks rund 91 Prozent der Zeit Strom.

Wie oft produziert ein Offshore-Windpark Ihrer Einschätzung nach Strom?

Wie oft produziert ein Offshore-Windpark Ihrer Einschätzung nach Strom?
Auch die Versorgungskapazität moderner Anlagen wird vielfach zu niedrig eingeschätzt. Nur 17 Prozent der Deutschen ordnen die Zahl versorgter Haushalte korrekt ein. Moderne Offshore-Windparks können Strom für rund eine Million Haushalte liefern. Knapp die Hälfte der Befragten liegt mit ihrer Einschätzung darunter. 

Ähnlich fällt das Bild bei der Lebensdauer aus. Lediglich 2 Prozent schätzen korrekt, dass Offshore-Windparks bis zu 35 Jahre in Betrieb sein können – das sind die aktuellen technischen Prognosen. 70 Prozent unterschätzen somit die mögliche Lebensdauer der Anlagen. 

Auch beim sogenannten CO2-Payback zeigen sich große Wissenslücken. Gefragt wurde, wie lange ein Offshore-Windpark nach der Inbetriebnahme benötigt, um mehr CO2 einzusparen, als beim Bau ausgestoßen wurde – einschließlich Materialherstellung, Transport und Installation. Die korrekte Antwort liegt bei sechs bis zwölf Monaten. Dann hat sich der Windpark in Bezug auf die Emissionen amortisiert. 95 Prozent der Befragten schätzen diesen Zeitraum länger ein oder geben an, die Antwort nicht zu wissen. 

Vergleichsweise realistischer fällt die Einschätzung bei der Recycelbarkeit aus. 24 Prozent der Befragten liegen mit ihrer Antwort richtig. Gleichzeitig unterschätzen 53 Prozent, wie hoch der recycelbare Anteil moderner Offshore-Windparks tatsächlich ist.

Was ist den Deutschen wichtig, wenn es um die Energieversorgung geht?


Trotz der oft falschen Wahrnehmung zeigt sich, dass Offshore-Windenergie viele der Aspekte kombiniert, die den Befragten bei der Stromversorgung am wichtigsten sind. Hier nennen 29 Prozent der Deutschen Zuverlässigkeit als wichtigsten Faktor. Nur knapp dahinter liegt mit 27 Prozent die Bezahlbarkeit. Für 19 Prozent steht die Klima- und Umweltverträglichkeit im Fokus. 11 Prozent nennen Energieunabhängigkeit als wichtigsten Aspekt. Für 8 Prozent ist am wichtigsten, dass die Energie hierzulande produziert wird. 4 Prozent setzen den Fokus auf die Schaffung von Jobs und einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft. 

Ein ähnlicher Schwerpunkt zeigt sich auch bei der Frage, welche Vorteile die Menschen in Deutschland mit im Inland erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien verbinden. Besonders häufig werden dabei Aspekte rund um Energieunabhängigkeit, Versorgungssicherheit und wirtschaftliche Auswirkungen genannt. Genau die relevanten Vorteile, die Offshore-Wind bieten kann.

Offshore-Windenergie erfüllt viele der Erwartungen an die Energieversorgung


Die Ergebnisse der Studie zeigen eine auffällige Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und den Eigenschaften der Offshore-Windenergie. Viele der Anforderungen, die Menschen an eine zukunftsfähige Energieversorgung stellen, erfüllt Offshore-Windenergie bereits heute. Die Umfrage deutet damit weniger auf ein Akzeptanzproblem hin. Sichtbar wird vielmehr eine Lücke zwischen dem tatsächlichen Potenzial der Technologie und dem Bild, das viele Menschen bislang von ihr haben. 
1 Durchschnittswerte auf der Grundlage von Daten ausgewählter Ørsted Offshore-Windparks in der Nordsee