Optimismus für die Energiewende

 

„Wir müssen bei der Energiewende optimistisch nach vorne schauen”

Interview mit Volker Malmen

Optimismus für die Energiewende: Kann die Energieweende gelingen?  Interview mit Volker Malmen
Volker Malmen, Geschäftsführer von Ørsted in Deutschland
Herr Malmen, Ihr Unternehmen ist eines der Vorreiter, wenn es um den Umstieg auf Erneuerbare geht. Was macht Sie so sicher, dass die Energiewende gelingen kann?

Antwort: Wir haben selbst vor mehr als zehn Jahren entschieden, unser Unternehmen auf grüne Energie umzustellen. Das heißt, raus aus Öl und Gas und raus aus der Kohle. Den Fokus voll auf Erneuerbare. Seitdem haben wir bereits weit über 1.200 Offshore-Windenergieanlagen weltweit installiert und können rund 13 Millionen Menschen mit grünem Strom versorgen. Diese Erfolgsbilanz macht uns stolz und zuversichtlich, dass wir so erfolgreich weiter machen können. Bis 2030 will Ørsted grünen Strom für 50 Mio. Menschen produzieren. Ein ehrgeiziges Ziel, aber unsere Erfahrung der letzten Jahre hat uns viel gelehrt und uns gezeigt, dass eine Umstellung machbar ist – auch für Deutschland.

Warum setzen Sie dabei besonders stark auf Offshore-Wind?

Zum einen ist Offshore-Windkraft eine nachhaltige und sichere Energiequelle. Darüber hinaus wird sie stetig kostengünstiger und bietet die Möglichkeit großvolumiger Produktion von Strom. Wenn wir die Klimaziele der Bundesregierung erreichen wollen, braucht es eine kraftwerksgroße Alternative zu den Fossilen und der Atomkraft – das kann Offshore-Windenergie leisten.

Das ist auch in der Politik angekommen. Das kürzlich verabschiedete Klimapaket der Bundesregierung sieht darin einen Ausbau von 20 Gigawatt bis 2030 vor. Wir begrüßen diese Erhöhung, betonen aber, dass noch mehr möglich ist.

Die Produktion von erneuerbarer Energie ist das Eine – was muss noch passieren, damit die Energiewende gelingt?

Die gewonnene Energie kann nicht nur für die Stromversorgung von Industrie und Privathaushalten genutzt werden. Wir müssen das Energiesystem als solches stärker als ein integriertes Gesamtsystem betrachten. Es bieten sich viel mehr Möglichkeiten den Strom effizient zu nutzen. Stichwort: Sektorenkopplung. Mit Hilfe von aus Offshore-Wind produziertem Wasserstoff könnte etwa der Mobilitäts- oder Wärmesektor stärker dekarbonisiert werden. Sektoren wie Industrie und Verkehr müssen effektiver als bisher zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen und CO2 reduzieren.

Das Problem dabei ist, dass der verhältnismäßig niedrige globale Preis für CO2 den Markt verzerrt und dies zur Folge hat, dass Wasserstoff aus Erneuerbaren nicht annähernd konkurrenzfähig zu fossil erzeugtem Wasserstoff ist. Dafür braucht es politischen Willen für regulatorische Anpassungen.

Stichwort CO2-Ausstoß. Das heißt, Sie begrüßen den verabschiedeten Mindestpreis für CO2-Emissionen von 10 Euro pro Tonne CO2?

Die Einführung eines Mindestpreis für CO2 ist der richtige Schritt. Allerdings ist der Einstiegspreis viel zu niedrig angesetzt. Zu lange wurden große CO2-Emiteure außen vor gelassen und der Emissionshandel als alleiniges Allheilmittel gesehen. Das hat nicht den erhofften Effekt gebracht. Mit einem Mindestpreis von 10 Euro wird sich das nicht grundsätzlich ändern.

Gerade wenn wir innovative Technologien und Lösungen weiter vorantreiben wollen, braucht es einen Markt, der die Voraussetzungen dafür geschaffen hat. Es geht ja nicht nur darum, Chancengleichheit für die Konkurrenz zu Fossilen zu schaffen. Vielmehr bieten neue Technologien die Möglichkeit, zukunftsweisende, neue Wirtschaftszweige zu etablieren von denen der Wirtschaftsstandort Deutschland langfristig profitieren kann, während gleichzeitig das Klima geschützt wird.

Laut aktuellem DeutschlandTrend sehen eine große Mehrheit der deutschen Bürger den Klimaschutz als vorrangiges Ziel der deutschen Politik – vor Themen wie dem Wirtschaftswachstum. Überrascht Sie das?

Keinesfalls. Es ist nicht Neues, dass ein Großteil der Bevölkerung Sorgen hat was den Klimawandel angeht und sich eine schnelle Energiewende wünscht. Sicherlich haben auch Bewegungen wie Fridays for Future einige wachgerüttelt. Leider ist das aktuelle Diskussionsklima rund um die Energiewende stark negativ aufgeladen, getrieben von Skepsis und verhärteten Fronten – es stellt sich teilweise fast schon eine Art Fatalismus ein. Das ist der der falsche Weg.  Wir glauben daran, dass die Klimaentwicklung positiv beeinflusst werden kann. Und genau zu wissen, was dazu getan werden muss und welche konkreten Schritte jetzt nötig sind. Wir haben für diese Haltung einen eigenen Begriff kreiert: ‚Øptimismus‘. Der menschengemachte Klimawandel ist fakt, deswegen müssen wir entschlossen handeln, aber auch optimistisch nach vorne schauen - nur dann können wir die Energiewende gemeinsam schaffen.
 
Mehr zum Øptimismus unter orsted.de/optimismus